Haus- und Reiseapotheke

Für den Notfall gewappnet

Von Tobias Lemser · 2015

In den eigenen vier Wänden passieren die meisten Unfälle. Gerade deshalb ist es unerlässlich, bei Verletzungen oder gar Notfällen sich selbst und andere mit den passenden Medikamenten und Verbänden versorgen zu können. Wer auf Reisen geht, sollte – um auf eventuelle Erkrankungen oder Verletzungen vorbereitet zu sein – eine gut sortierte Reiseapotheke im Gepäck haben.

Wer kennt das nicht: Große Hektik am Küchenherd. In den Töpfen und Pfannen werden alle Beilagen gleichzeitig gar, laufen Gefahr, in letzter Minute zu verbrennen und dann passiert es beim Salatschneiden: Das Messer rutscht ab und schneidet in die Daumenspitze. Eine Situation, in der viele kopflos reagieren, insbesondere dann, wenn das Blut anfängt zu tropfen und Verbandszeug nicht gleich zur Hand ist.

Mehr als nur Pflaster

Gerade bei Schnittverletzungen ist eine Hausapotheke unentbehrlich. „Darin für alle Fälle enthalten sein sollten Mullbinden, elastische Binden, Wundschnellverbände, Heftpflaster sowie Pflasterstrips“, empfiehlt Dr. Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion das sichere haus. Wie wichtig eine gut sortierte Haus­apotheke ist, zeigt die Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, wonach sich im Jahr 2012 bundesweit rund 2,8 Millionen Menschen bei häuslichen Unfällen verletzt haben. Dabei besonders häufig sind Stürze sowie Schnitt- und Stichverletzungen durch Haushalts- und Heimwerkergeräte.

Doch nicht nur bei blutigen Wunden, auch bei akuten Beschwerden, Schmerzen und Unwohlsein kann sich eine Hausapotheke als nützlich erweisen. Für den Inhalt allesentscheidend sind die Lebensumstände und persönlichen Bedürfnisse. So benötigt nach Aussage von Dr. Ursula Sellerberg von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände eine Familie mit kleinen Kindern andere Arzneimittel als beispielsweise ein Single, der viel Sport treibt: „In die Hausapotheke gehören neben individuell benötigten Medikamenten vor allem Präparate gegen akute Erkrankungen, wie Schmerz- und Fiebermittel, Medikamente gegen Allergien, Insektenstiche, Sonnenbrand, Durchfall, Erkältung sowie Wund- und Heilsalben.“ Aber auch Desinfektionsmittel, eine Pinzette, Fieberthermometer und im Gefrierfach gelagerte kühlende Kompressen gehören zur Grundausstattung.

Schnelle Genesung für die Kleinsten

In Haushalten mit Säuglingen und Kleinkindern sollten fiebersenkende Zäpfchen und ein entschäumendes Mittel, das bei Vergiftungen hilft, nicht fehlen. Nicht zu vergessen Notfall-Zäpfchen gegen Krämpfe, Fenchel- oder Kümmeltee gegen Bauchschmerzen, Gel bei Zahnungsbeschwerden, Kinder-Nasentropfen, Hustensaft sowie eine Salbe gegen Wundsein.

Wer sich unsicher ist, erhält vom Apotheker eine umfassende Beratung bei der Zusammenstellung der Medikamente und für die entsprechende Ordnung je nach Wunsch sogar das dazu passende Schränkchen, damit im Notfall alles griffbereit ist. Besonders übersichtlich sind Medikamente in einem stabilen Medizinschrank, der kindergesichert in einem trockenen, dunklen und kühlen Raum, wie Schlafzimmer oder Flur angebracht werden sollte.

Ab in den Müll

Damit jedoch die Medikamente zu jeder Zeit ihre Wirksamkeit frei entfalten beziehungsweise keine schädlichen Nebenwirkungen hervorrufen können, sollten Verbraucher einmal im Jahr ihre Hausapotheke überprüfen und dabei nicht mehr benötigte Arzneimittelreste entsorgen. Während sich flüssige Medizin zersetzen kann, werden Cremes und Salben irgendwann ranzig oder trocknen ein. „Auch wenn Arzneien äußerlich einwandfrei erscheinen, gilt es, sobald das Haltbarkeitsdatum überschritten ist, das Medikament nicht mehr anzuwenden“, so Dr. Ursula Sellerberg.

Gleiches betrifft sterile Verbandsmittel, die im Laufe der Zeit unsteril werden und an offenen Wunden Infektionen verursachen können. Bei zumeist nur kurzzeitig haltbaren Säften oder Tropfen, aber auch bei Medizin mit einer Haltbarkeit von mehr als fünf Jahren, die vom Hersteller mit keinem Verfallsdatum versehen werden muss, ist dazu zu raten, nach deren Anbruch das Öffnungs- beziehungsweise Kaufdatum zu notieren. Ebenso empfehlenswert: Die Medikamente im Originalkarton mit Beipackzettel sowie die wichtigsten Telefonnummern und eine Erste-Hilfe-Anleitung im Medikamentenfach aufzubewahren.

Gesund auf Reisen

Doch nicht nur zu Hause, gerade vor Auslandsreisen ist es unerlässlich, ebenso die Reiseapotheke ins Visier zu nehmen. Und was gehört da hinein? Laut der Apothekerin hängt dies sowohl vom Reisestil als auch von der medizinischen Versorgung im Urlaubsland ab: „Der Wert der Beratung zeigt sich darin, dass der Apotheker im Gespräch mit dem Kunden die individuell benötigten Medikamente auswählt.“

Eine umfangreiche Reiseapotheke beinhaltet die Medikamente, die gleichsam in einer Hausapotheke unentbehrlich sind, ergänzt durch Arzneimittel gegen häufige Reisebeschwerden, wie etwa Durchfall oder Reiseübelkeit. Alle notwendigen Medikamente sollte man aus dem Heimatland mit in den Urlaub nehmen, statt auf eine adäquate Versorgung vor Ort zu vertrauen. Oftmals sind in einigen Ländern bestimmte Medikamente nicht zuverlässig verfügbar oder Wirkstoffe werden unter anderen Namen als hierzulande vermarktet. Als Transportutensil gerade bei kühlkettenpflichtigen oder wärmeempfindlichen Medikamenten bieten sich spezielle Isolationstaschen an, um die Arzneien vor Sonne und Temperaturschwankungen zu schützen.

Fakt ist: Ob beim Kochen, Heimwerken oder auf Reisen – zwar sind Gesundheitsrisiken auch mit der optimal ausgestatteten Hausapotheke nicht aus der Welt zu schaffen. Sollte jedoch etwas passieren, wird die Erstversorgung erheblich erleichtert.

Was gehört in meine Hausapotheke?

Für Erwachsene:

  • Schmerz- und Fiebermittel

  • Medikamente gegen Erkältung, Halsschmerzen, Husten und Schnupfen

  • Medikamente gegen Allergien, Insektenstiche, Sonnenbrand

  • Medikamente gegen Erkrankungen der Mundschleimhaut

  • Medikamente gegen Verstopfung, Durchfall und Sodbrennen

  • Desinfektionsmittel

  • Wund- und Heilsalbe

  • Medikamente bei Sportverletzungen

  • Augentropfen gegen trockene Augen

  • Kühlkompressen

  • Fieberthermometer

  • Individuelle Medikamente

  • Verbandsmaterial, wie steriler Verbandmull, elastische Binden und Heftpflaster

Bei Kleinkindern in der Familie:

  • Cremes und Salben gegen entzündete Haut im Windelbereich

  • Gegen Fieber: Zäpfchen oder Saft in altersgerechter Dosierung

  • Hustenlöser

  • Kleinkinder-Nasenspray

  • Elektrolyt-Lösungen bei Durchfall

  • Für Kleinkinder geeigneter Erkältungsbalsam

  • Notfallmedikamente bei Vergiftungen: Aktivkohle und Entschäumer (nur nach telefonischer Rücksprache mit Giftnotruf oder Arzt)

  • Individuelle Medikamente

  • Notfalladressen

Quelle: ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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