Insekten- und Zeckenschutz

Die Quälgeister des Sommers

Von Wiebke Toebelmann · 2017

Das Wetter wird wieder schöner und alle zieht es nach draußen. Leider sind nun auch die lästigen Mücken wieder unterwegs, ebenso besteht in manchen Gebieten Deutschlands Zeckenalarm. Sich zu schützen ist angesichts der großen Palette an Schutzmitteln nicht leicht. Umso wichtiger ist die Beratung durch den Apotheker.

Es bleibt abends wieder länger hell, die Luft wird lau und die Vorfreude auf den Sommer steigt. Ausflüge an den Baggersee winken, lustige Grillabende, gemütliches Abhängen auf dem Balkon. Und dann: Pieks! Schon sitzt der erste Mückenstich. Denn der Sommer bringt mit dem schönen Wetter auch die fiesen kleinen Plagegeister, deren Existenz wir während der kalten Jahreszeit doch schon so völlig vergessen hatten. Und wem die nächtliche Hitze schon keine Schlaflosigkeit bereitet, dem kann das durchdringende Sirren der fliegenden Biester im Schlafzimmer den letzten Nerv rauben. 

Die Mückenzeit beginnt 

Generell gilt: Mücken mögen Wärme. Das heißt, die Mückenzeit beginnt eigentlich schon im Frühling: Die Eier entwickeln sich und die Larven schlüpfen, wenn drei bis fünf warme Tage aufeinander folgen. Die Larven verpuppen und paaren sich schließlich. Was uns sticht, sind dann ausschließlich befruchtete Weibchen – von denen es schon in einem warmen Frühling und erst recht im Sommer Unmengen gibt. In manchen Sommern wird Deutschland von einer regelrechten Mückenplage heimgesucht. Dies ist vor allem der Fall, wenn ein besonders milder Winter vorangegangen ist. Allgemein plagt uns hierzulande die „gemeine Hausmücke“ – welch treffender Name – Culex pipiens. Internationaler Handel, globaler Tourismus und Klimaerwärmung sind aber dafür verantwortlich, dass wir es in unseren Gefilden künftig auch mit weniger harmlosen Spezies zu tun haben werden als bisher. So warnen Experten vor exotischen Exemplaren, die ernstzunehmende Krankheiten übertragen, etwa Malaria oder Zika-Virus. 

Umso ratsamer, sich zur Insekten-Hochsaison einen guten Mückenschutz zuzulegen. Vor allem für jene, die auf dem Lande wohnen, womöglich in der Nähe stehender Gewässer, ist der Gang in die Apotheke goldrichtig. Denn Schutzmittel gibt es wie Sand am Meer, ihre Anwendungsarten sind vielfach Geschmackssache und ihre Wirkstoffzusammensetzungen unterschiedlich. Es empfiehlt sich, schon bevor einen die ersten Stiche plagen, ein geeignetes Mittel dazuhaben – und eines zur Behandlung gleich dazu. Ein einziger Stich kann quälenden Juckreiz hervorrufen. Kratzen hilft da wenig und kann sogar zu Entzündungen führen. Alte Hausmittel wie Honig oder eine Zwiebelscheibe können durch ihre antibakterielle Wirkung ein wenig Linderung verschaffen. Am meisten empfiehlt sich jedoch ein kühlendes und juckreizstillendes Gel aus der Apotheke. 

Ohne Chemie geht es kaum

Geht es um die Abwehr der lästigen Viecher, ist eine ausgiebige Beratung durch den Pharmazeuten wichtig – besonders in puncto Wirkstoffe. In den gängigsten Abwehrmitteln (Repellentien) sind Icaridin oder DEET enthalten. Klingt nach Chemiekeule? Ist es auch! Aber erwiesenermaßen sind diese eben auch am wirksamsten. Das Spray oder die Lotion wird auf jede unbedeckte Hautstelle aufgetragen. Beide Wirkstoffe sind von der Weltgesundheitsorganisation WHO auch für den tropischen Raum empfohlen. In Verbreitungsgebieten von Dengue-Fieber, Malaria & Co. Ist ein guter Mückenschutz essentiell. Dort wird empfohlen, hart gegen die Blutsauger durchzugreifen, wobei sich vor allem DEET bewährt hat, das je nach Konzentration bis zu zehn Stunden wirkt. Aber Vorsicht ist geboten: Schwangeren wird von der Verwendung von DEET vor dem vierten Monat abgeraten, dies gilt auch für Babys und Kleinkinder. 

In vielen Reiseforen empfehlen Touristen einander, das Mückenschutzmittel erst am Urlaubsort zu kaufen. In diesen ist der Wirkstoffanteil jedoch häufig extrem hoch – aber der Informationsanteil gering. Wer sich bei all der Chemie unsicher ist, sollte lieber beim heimischen Apotheker Rat suchen. Es gibt auch eine Vielzahl von geeigneten Sensitiv-Produkten, oftmals mit Icaridin und mitunter mit pflegendem Dexpanthenol. Sie sind für empfindliche Haut und auch Kleinkinder gut verträglich. Übrigens kann der Saugrüssel von Mücken auch Textilien durchdringen. Daher wird gerade bei Fernreisen empfohlen, die Kleidung mit speziell dafür vorgesehenen Repellentien zu imprägnieren.

Es gibt auch rein pflanzliche Varianten zur Abwehr von Mücken, Bremsen oder Zecken. Manche von ihnen können auch auf die Kleidung gesprüht werden. Sie haben meist einen angenehmen Duft und basieren auf dem pflanzenbasierten Wirkstoff PMD (Para-Menthan-diol). Laut dem Auswärtigen Amt reichen pflanzliche Mittel in gefährdeten Gebieten jedoch nicht aus und die chemische „Keule“ sollte mit im Gepäck sein. Wer es übrigens praktisch haben will, greift zu einem Kombiprodukt aus Sonnen- und Insektenschutz. Ansonsten gilt: erst die Sonnencreme, dann das Insektenspray.

Zecken: Gefährliche kleine Blutsauger

Doch natürlich „kreucht und fleucht“ es nicht nur in der Ferne, sondern auch hier in Deutschland. Jeden Sommer geht denn auch immer wieder ein Plagegeist durch die Presse, der weder surrt noch fliegt: die Zecke. Der Parasit ernährt sich vom Blut und sitzt bevorzugt auf Gräsern. Beim Abstreifen kann eine Zecke auf die Haut gelangen, sich festsaugen und im Zweifelsfall tückische Krankheiten übertragen, wie etwa eine Form der Hirnhautentzündung (FSME), gegen die man sich jedoch impfen lassen kann. Verbreitungsgebiet ist vor allem der süd- und ostdeutsche Raum. Sehr gefährlich, weil oft lange Zeit unbemerkt, ist die Borreliose – eine bakterielle Erkrankung, die zu langfristigen Folgen wie Lähmungserscheinungen führen kann. Wird die Zecke innerhalb von zwölf Stunden entfernt, kann eine Übertragung mit dem Erreger unter Umständen vermieden werden.

Jedoch ist das Tier winzig, sein Stich meist schmerzlos und bleibt daher oft zu lange unbemerkt. Gegen Borreliose gibt es bisher keinen Impfstoff. Umso wichtiger, sich zu schützen. Wer in Zeckengebieten lebt, sollte vor dem Ausflug in die Natur nicht nur lange Kleidung tragen, sondern ein Zeckenmittel aus der Apotheke verwenden. Die meisten erhältlichen Mittel in Form von Sprays und Lotionen halten auch Mücken und Bremsen ab. So gibt es zwar nie einen völligen Schutz gegen Stiche, aber zumindest gibt es simple, vorbeugende Maßnahmen. Dann kann der Sommer ja losgehen!

Mythen rund um Mücken und Zecken

  • Mücken werden nicht vom Licht angezogen. Dafür aber von menschlichem Schweiß und süßen Parfüms.

  • Mücken mögen kein „süßes Blut“, sondern eher fettes: Menschen mit hohem Cholesterinspiegel sind beliebte Ziele der Blutsauger. 

  • Vor Mücken, die um Lichtquellen herum schwärmen, braucht man nicht zu fliehen: Diese sogenannten Zuckmücken stechen nicht.

  • Lange Hosen und feste Schuhe allein reichen nicht als Zeckenschutz. Insektenabwehrmittel sollten zusätzlich aufgetragen werden. 

  • Zecken fallen nicht von Bäumen – sie können nur eineinhalb Meter hoch klettern.

  • Es heißt zwar Zeckenbiss, aber es handelt sich um einen Stich. 

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