Refluxösophagitis

Das Feuer im Bauch löschen

Von Svenja Runciman · 2015

Haferflocken neutralisieren die Magensäure.

Etwa ein Viertel der Deutschen leidet nach dem Genuss fettiger Speisen oder alkoholischer Getränke unter Sodbrennen. Auch wenn dies nicht immer auf eine ernsthafte Erkrankung schließen lässt, kann es zur Belastung im Alltag werden. Neben zahlreichen „Hausmitteln“ können bei hartnäckigen Beschwerden Medikamente Linderung bringen.

Schnitzel mit Pommes, dazu ein großes Bier und anschließend ein „Verteiler“: Viele Genussmenschen müssen für so üppige Mahlzeiten regelmäßig mit Sodbrennen bezahlen. Doch nicht nur fettes Essen oder Alkohol können das unangenehme Gefühl in der Magengegend hervorrufen, sondern auch Stress, Übergewicht oder Medikamente. Grund für die Beschwerden ist in den meisten Fällen nicht ein Zuviel an Magensäure, wie viele Betroffene glauben, sondern das Aufsteigen von Magensäure oder auch von Mageninhalten in die Speiseröhre, wodurch die Nervenfasern in der Schleimhaut der Speiseröhre gereizt werden. Wahrgenommen wird das „Brennen“ dabei ganz unterschiedlich: Manche Menschen leiden unter einem gereizten Gefühl hinter dem Brustbein oder unter Schmerzen oder einem Druckgefühl in der Magengegend. Häufig sind auch vermehrtes Aufstoßen, Räuspern, Husten oder Heiserkeit zu beobachten. 

Nicht immer gefährlich, aber lästig

Wer ab und zu mal unter Sodbrennen leidet, muss sich im Normalfall keine Sorgen machen. Allerdings kann hinter einem vermehrten Auftreten die Refluxkrankheit stecken. Bei dieser Erkrankung ist der untere Speiseröhren-Schließmuskel funktionsgestört. Infolgedessen dichtet dieser Schließmuskel im Liegen oder beim Bücken nicht mehr vollständig ab, so dass die Säure aus dem Magensaft mit der Speiseröhrenschleimhaut in Kontakt gerät. Tritt dies über einen längeren Zeitraum auf, wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt, was zu einer schmerzhaften Entzündung führen kann.

Die Refluxkrankheit ist in den westlichen Ländern weit verbreitet: Es wird davon ausgegangen, dass zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung daran leiden. Bei sehr häufigem oder sehr starkem Auftreten von Sodbrennen sollte aber auch aus dem Grund ein Arzt aufgesucht werden, weil dadurch das Risiko für Rachen- und Kehlkopfkrebs ansteigt. Außerdem sollten bei häufigen Beschwerden Maßnahmen gegen das Aufsteigen der Magensäure eingeleitet werden. Da diese nämlich teilweise sogar den Mundraum erreicht, kann sie ansonsten langfristig den Rachenraum reizen oder sogar den Zahnschmelz schädigen. 

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Der Magen unter Druck

Eine Besonderheit ist Sodbrennen in der Schwangerschaft: Viele Frauen sind vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft betroffen, wenn das Kind im Bauch immer mehr Platz beansprucht. Der Magen wird dann durch die wachsende Gebärmutter nach oben geschoben, wodurch der Druck auf den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre wächst und dieser nicht mehr ausreichend standhalten kann. Verstärkt wird das Problem durch das Hormon Progesteron, das, um vorzeitige Wehen zu vermeiden, die Muskulatur der Gebärmutter entspannt – aber eben auch die Muskulatur des Speiseröhren-Schließmuskels, der dadurch etwas „lockerer“ sitzt. Sodbrennen während der Schwangerschaft stellt zwar keine Gefahr für Mutter oder Kind dar, kann aber trotzdem unangenehm sein. Abhilfe können hier ein paar einfache Tricks schaffen, die auch grundsätzlich bei Sodbrennen helfen: Es gilt allzu scharfe oder fettige Speisen zu meiden, kohlensäurehaltige Getränke nur in Maßen zu genießen, lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich zu nehmen und gründlich zu kauen. Auch bestimmte Speisen wie Haferflocken können die Magensäure neutralisieren. Stärkehaltige Nahrungsmittel wie beispielsweise Weißbrot, Kartoffeln oder Zwieback binden die Magensäure und verhindern, dass sie in die Speiseröhre aufsteigt. 

Die Magensäure in Schach halten

Als Hausmittel wird auch häufig Natron eingesetzt, das die Magensäure reduziert. Ein Problem ist dabei allerdings, dass Natron die Bildung von Kohlendioxid anregt und so den Druck im Bauchraum erhöht. Indirekt kann durch die Einnahme so der Säurerückfluss wiederum angeregt werden. 

Bei hartnäckigen oder anhaltenden Beschwerden können auch verschiedene Medikamente Abhilfe schaffen. Als wirksam haben sich beispielsweise Präparate erwiesen, die die Magensäure binden. Protonenpumpenhemmer dagegen vermindern die Salzsäureproduktion im Magen. Diese Medikamente sollten aber nicht über längere Zeit ohne Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

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