Allergien

Alles andere als harmlos

Von Katja Müller · 2017

Die Bäume werden grüner, die Tage länger, das Wetter das besser: Endlich Frühling. Doch des einen Freud ist des anderen Leid, denn im Frühjahr haben auch die Pollen wieder Hochkonjunktur. Vielen Allergikern macht das zu schaffen, Heuschnupfen ist weit verbreitet. Doch auch andere Allergien nehmen zu und lassen uns Hilfe beim Arzt und in der Apotheke um die Ecke suchen.

Allergien werden inzwischen als Volkskrankheit bezeichnet. Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland litt in den letzten zwölf Monaten an einer allergischen Erkrankung, heißt es in einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts (RKI). In den letzten Jahrzehnten haben sie in vielen Weltregionen zugenommen. Erklärungsversuche dafür gibt es viele, oft wird ein Zusammenhang zwischen Allergien und westlichem Lebensstil ausgemacht. Zur häufigsten Form zählt hierzulande die Pollenallergie, die sich meist als Heuschnupfen äußert. Doch viele Menschen reagieren auch überempfindlich auf Tierhaare, Metalle wie Nickel oder Kobalt, den Kot der Hausstaubmilbe, Schimmelsporen und bestimmte Lebensmittel.

Der Körper wehrt sich

Die allergische Reaktion ist auf einen Irrtum unseres Immunsystems zurückzuführen: Es macht scheinbar harmlose Stoffe in Blütenpollen oder an Hundehaaren haftende Proteine aus, die es zu bekämpfen gilt. Gelangen beispielsweise Pollen auf unsere Haut, lösen sich Peptide und dringen in den Körper ein. Dort docken sie an den IgE-Antikörpern an. Viele von ihnen sind mit Mastzellen verbunden, die unter anderem den Botenstoff Histamin speichern, der auch bei Entzündungen zum Einsatz kommt. Dieser und andere Botenstoffe lösen bei Allergikern nun die klassischen Symptome aus: Schwellungen, Juckreiz, Fließschnupfen, Quaddeln, Verengung der Atemwege oder in manchen Fällen auch Durchfall, Übelkeit, Erbrechen. Viele Menschen entwickeln erst im Laufe ihres Lebens eine Allergie.

Allergietest verschafft Gewissheit

Eine solche Überreaktion des Immunsystems ist alles andere als harmlos: Unter Umständen kann sich der Gesundheitszustand noch verschlechtern, aus einem Heuschnupfen beispielsweise allergisches Asthma werden. Doch auch ein anaphylaktischer Schock, eine schwere Reaktion des Körpers auf das Allergen, ist alles andere als harmlos – je nach Schweregrad besteht Lebensgefahr. Deshalb ist es ratsam, Symptome frühzeitig abzuklären, beispielsweise mittels Allergietest. Je nach vermuteter Art der Allergie kommen unterschiedliche Tests zum Einsatz. Bei manchen Überempfindlichkeiten, etwa gegen Pollen oder viele Nahrungsmittel, zeigen sich die Symptome sofort. Hier kommt der Prick-Test infrage, bei dem der Allergenextrakt auf die Haut getropft und diese angepiekst wird. Bei Kontaktallergien hingegen wird oft der Epikutantest verwendet, bei dem die Allergene einige Stunden bis Tage auf der Haut bleiben. Unter Umständen kommen auch Blut- und Provokationstests in Frage. Meist führt ein Arzt solche speziellen Untersuchungen durch. Es gibt jedoch die Möglichkeit, in der Apotheke einen Test zu machen oder einen Selbsttest zu erwerben. 

Zwischen Medikamenten und Hyposensibilisierung

Noch gibt es keine Möglichkeit, eine allergische Erkrankung im herkömmlichen Sinne zu heilen. Es gibt jedoch Medikamente und Verfahren, welche die Symptome lindern und die Empfindlichkeit herabsetzen können. So sind beispielsweise Antihistaminika meist rezeptfrei in der Apotheke zu erhalten. Sie können die allergische Reaktion unterdrücken. In manchen Fällen hilft auch eine Hyposensibilisierung beim Arzt. Bei der Immuntherapie bekommen Patienten das Allergen über einen längeren Zeitraum verabreicht. Laut European Centre for Allergy Research Foundation sind etwa 70 Prozent der Patienten nach Abschluss dieser Therapie dauerhaft oder zumindest für längere Zeit beschwerdefrei oder benötigen im Anschluss weniger Medikamente. Normalerweise ist dieses Verfahren mit nur wenigen Nebenwirkungen wie etwa Abgeschlagenheit verbunden. Doch es kommt nicht für jeden infrage: Für Nahrungsmittelallergien etwa ist es noch nicht zugelassen. Es gibt jedoch klinische Studien, die versuchen, die Immuntherapie auch in diesen Fällen zum Erfolg zu führen.

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